Die Fahne in der Hand, das Handy am Ohr!
Hannover - Während des Punktspiels Union Seesen gegen TSG Jerstedt (8. Liga, Endstand 2:2)
führte der Schiedsrichter-Assi an der Linie mehrere Telefongespräche.
Ein BILD-Leser-Reporter: "Selbst die Spieler waren verärgert, aber er hat nur gelacht."
Der Niedersächsische Fußballverband will den Fall jetzt untersuchen. Dem Handy-Linienrichter drohen Konsequenzen. Schiri-Lehrwart Bernd Domurat (50): "So ein Verhalten wird nicht akzeptiert."
Herrlich verrücktes Fußballjahr
Von Sven Flohr 30. Dezember 2009, 04:00 Uhr
Ein lebender Toter, ein Torhüter, der sein Tor verschiebt, Lauftraining in der Straßenbahn - die kuriosesten Geschichten aus 2009
Gnadenloser Schiedsrichter zeigt 19 Rote Karten
2. Januar: Das Spiel zwischen Recreativo Linense und Saladillo Algesiras in einer spanischen
Amateurliga wird den Zuschauern ewig in Erinnerung bleiben. Im Mittelpunkt steht Schiedsrichter
Jose Manuel Barro Escandon, der einen Spieler der Gastgeber nach 54 Minuten vom Platz stellt.
Mitspieler und Zuschauer sind mit der Entscheidung so wenig einverstanden, dass eine Massenschlägerei
zwischen beiden Mannschaften unter Beteiligung des Publikums ausbricht. Escandon bricht die Partie
ab und besucht die Mannschaften später in den Kabinen. Dort zeigt er je neun Spielern die Rote
Karte. "Das dürfte Rekord sein", staunt der Trainer der Heimmannschaft.
Tut mir leid, aber mein Mann ist noch gar nicht tot
22. Januar: Schweigeminute, Todesanzeigen, Nachruf in der Stadionzeitung - so gedenkt der
englische Amateurklub Bishop Auckland seinem verstorbenen Ex-Spieler Tommy Farrer. Als
Geschäftsführer Terry Jackson tags darauf der Witwe persönlich kondolieren will, antwortet
diese, ihr Gatte sei gerade unterwegs zum Kiosk und keineswegs verstorben. "Ich habe es
zunächst für einen Scherz gehalten", sagt der 86-jährige Farrer, der seit 65 Jahren verheiratet
ist: "Jetzt bin ich sehr aufgewühlt, weil der Verein, für den ich vor langer Zeit gespielt habe,
solche Probleme bekommen hat." Bishop Auckland verkündet kleinlaut, man sei einer Fehlinformation
aufgesessen.
Als Ajax Amsterdam den Gegner ein Tor schießen lässt
4. Februar: Im niederländischen Pokal verletzt sich ein Spieler der zweiten Mannschaft von
Ajax Amsterdam. Der Gegner aus Cambuur spielt den Ball pflichtbewusst ins Aus und soll ihn
nach dem anschließenden Einwurf wiederbekommen. Allerdings verkalkuliert sich der Ajax-Spieler
bei seinem Schuss zum Gegner und trifft aus über 40 Metern ins Tor. Der Treffer ist ihm sichtlich
peinlich und auch der Schiedsrichter würde ihn am liebsten nicht geben, zuckt aber nur mit
den Schultern und zeigt auf den Mittelkreis. Die Gastgeber reagieren sehr fair und lassen
Cambuur im Gegenzug unbedrängt ein Tor schießen. Dabei springt der Ball fast noch ins Toraus.
Ein Schiedsrichter fleht den Torwart um eine Parade an
8. März: Kurz nach einem Elfmeterpfiff im Erstliga-Spiel zwischen KAA Gent und dem AFC Tubize
bemerkt der belgische Schiedsrichter Peter Vervecken offenbar, dass er mit seiner Entscheidung
falsch lag. Jedenfalls schwört Gäste-Torwart Nicolas Ardouin später Stein und Bein, Vervecken
habe ihn vor Ausführung des Strafstoßes angefleht, den Ball zu parieren. "'Retten Sie mich!
Halten Sie den Ball!', hat er zu mir gesagt", beschreibt der Torhüter die Unterhaltung mit
dem Schiedsrichter. Der streitet alles ab: "Vielleicht hat er mich falsch verstanden. Ich
habe Ardouin einfach nur ermuntert, seinen Fehler wieder auszubügeln."
Laufen? Da nehme ich doch lieber die Straßenbahn
26. März: Der Drittligaklub Eintracht Braunschweig meldet die Suspendierung seines Nachwuchsstürmers
Selim Aydemir. Der 18-Jährige sei mit sofortiger Wirkung vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt.
Den Grund nennen die Niedersachsen nicht, heraus kommt er dennoch. Aydemir hatte einen kleinen
Trick versucht, der wahrscheinlich genauso alt ist wie das Lauftraining. Beim gemeinsamen
Joggen stahl sich der Angreifer davon, stieg in die vorbei fahrende Straßenbahn und stieß
eine Station später wieder zu den Kollegen. Im Sommer muss Aydemir dann den Klub verlassen.
Humor haben sie offenbar nicht bei der Eintracht.
Ein Strafstoß wird vom Winde verweht
5. April: In einer englischen Hobby-Liga treffen die Klubs Chorlton Villa und Manchester
International aufeinander. Der Schiedsrichter gibt einen Elfmeter für die Gäste. Als der
Schütze anläuft, wird er von einem Gegenspieler angefurzt und scheitert mit seinem Versuch
am Torwart. Der Referee zeigt dem Stinker Gelb wegen "ungentlemanly conduct" (ungebührliches
Verhalten) und lässt den Strafstoß wiederholen. Nun fliegt der Ball ins Tor, was dem Torhüter
gar nicht gefällt. Er beschimpft den Unparteiischen als "schlechtesten Schiedsrichter seit
vielen Jahren" und bekommt von diesem dafür umgehend die Rote Karte gezeigt. Dennoch gewinnt
Chorlton 6:4.
Der Hooligan in der eigenen Mannschaft
1. Mai: Martin Dollinger vom österreichischen Zweitligaklub FC Lustenau steht im Lokalderby
gegen die Austria nicht im Kader und verfolgt das Spiel von der Tribüne. Als der Gegner in
der Nachspielzeit das 2:1 erzielt, brennen bei Dollinger offenbar die Sicherungen durch.
Nach Abpfiff geht der 22-Jährige in den Innenraum und macht Stunk. Die Situation ist unübersichtlich,
später sagen Augenzeugen aus, Dollinger habe einen Schiedsrichterassistenten gewürgt und einem
Ordner ins Gesicht geschlagen. Er wird von der Polizei abgeführt und angezeigt.
Dass Dollinger
die Hooliganvorwürfe bestreitet, hilft ihm nicht. Er wird fristlos entlassen und für 20 Spiele
gesperrt. Jetzt fand er wieder Arbeit: Kommende Woche tritt er seinen Dienst bei Fortuna
Sittard in den Niederlanden an.
Noch ein Elfmeter, noch ein Elfmeter und noch ein Elfmeter
2. Mai: Als Anoinis Nikopolidis, Torwart von Olympiakos Piräus, im griechischen Pokalfinale
zum Elfmeter antritt, sind bereits 195 Minuten gespielt. 3:3 hatte es gegen AEK Athen nach
regulärer Spielzeit, 4:4 nach der Verlängerung gestanden. Seitdem wurden im Elfmeterschießen
17 Strafstöße auf Nikopolidis Tor geschossen. Zwei wehrte er ab, einer ging an den Pfosten,
nun steht es 14:14. Der Torwart schießt und trifft - Piräus hat den Pott. "Darum ist Fußball
das beste Spiel auf diesem Planeten", bejubelt Nikopolidis den Abend. Weltrekord bedeuten die
34 Elfmeter jedoch nicht: 1975 wurde ein argentinisches Pokalspiel erst mit dem 44. Strafstoß
entschieden.
Eine Mannschaft macht den Rasen unbespielbar - vor dem Spiel
4. Juni: Aberglaube ist im Fußball durchaus verbreitet. Was sich aber eine Mannschaft in
Swasiland leistet, geht eindeutig zu weit. Vor einem wichtigen Spiel vergraben die Afrikaner
im Nationalstadion von Lobamba traditionelle Amulette unter dem Spielfeld. Die sogenannten
"Muti" sollen Glück bringen. Leider übertreiben es die Spieler. Sie verbuddeln so viele
Talismane, dass sie den Rasenplatz - es ist angeblich der einzige des Landes - regelrecht
umpflügen. Vor allem den Mittelkreis und den Bereich vor den Toren versehen sie mit reichlich
Mutis. Der Sportminister kündigt an, Klage zu erheben, auch die Polizei wird eingeschaltet -
die 600 000 Dollar teure und erst ein Jahr alte Fußballwiese ist leider vollkommen im Eimer.
Wenn der Schiedsrichter die Fans beleidigt
20. September: Massimo Busacca gilt als bester Schiedsrichter der Schweiz. Er pfiff in der
Champions League, bei Welt und Europameisterschaften. Busacca hat also viel erlebt und viel
gehört. An diesem Tag aber reicht es ihm. Seit Minuten wird er während des Pokalspiels zwischen
dem FC Baden und den Young Boys Bern aus dem Gästeblock beschimpft. "Busacca, du Arschloch",
rufen die Anhänger immer wieder. Der reagiert mit einer Geste, für die er sich selbst die Rote
Karte zeigen müsste - er präsentiert der Kurve den Stinkefinger. Busacca wird drei Spieltage
lang gesperrt und entschuldigt er sich für seine Ausfälligkeit: "Wir machen alle mal Fehler,
ich hätte mich nicht auf dieses Niveau herunterlassen dürfen."
Die paar Zentimeter... Torwart verkleinert sein Tor
22. September: 20 Minuten sind in der ersten schwedischen Liga zwischen IFK Göteborg und
Örebro gespielt, als Schiedsrichter Stefan Johannesson das Gefühl beschleicht, hier stimme
etwas nicht. Recht hat er: Das Tor der Gastmannschaft ist zu klein. Der Täter ist der Torwart.
"In einigen Stadien sind die Pfosten nicht fest verankert. Da versucht man, sie einige
Zentimeter nach innen zu verschieben", sagt Kim Christensen. Schuldgefühle plagen ihn nicht,
er habe es schon oft gemacht: "Es ist an Örebro, die Torpfosten fest zu verankern. Und sonst
müssen halt die Schiedsrichter aufmerksam sein." Johannesson sieht das auch so und lässt
Christensen ohne Verwarnung davon kommen.
Das gab es noch nie: Ball fälscht Ball ins Tor ab
17. Oktober: Nach vier Minuten im englischen Premier-League-Spiel zwischen dem FC Sunderland
und dem FC Liverpool schießt Darren Bent aufs Tor. Der Ball trifft einen auf das Feld
geworfenen Wasserball, wird von diesem abgefälscht und fliegt zum ersten und einzigen Mal
an diesem Tag ins Netz. Fälschlicherweise gibt der Schiedsrichter den Treffer und Verlierer
Liverpool wird zum Gespött der Liga. Es war wohl ein eigener Fan, der den Ball auf Spielfeld
warf - er trug das Vereinswappen. Schon am nächsten Tag sind die Plastikbälle im Fanshop
ausverkauft, am folgenden Spieltag fliegen aus dem Block von Gegner Manchester United immer
wieder Wasserbälle auf den Rasen.
Kein Herz für Tiere: Verwarnung wegen Kätzchenrettens
21. November: Einst versuchte Sepp Maier eine Ente einzufangen, die sich in seinem Strafraum
niedergelassen hatte. Es sollte ihm nicht gelingen, dennoch ist die Szene berühmt. Erfolgreicher
war sein Torwartkollege Ivan Banovic vom kroatischen Erstligaklub Medjimurje Cakovec. Er
schnappte sich eine Katze, die sich auf das Spielfeld verirrt hatte und brachte das Tier aus
der Gefahrenzone: 20 Meter hinter dem Tor setzte er die Katze am Zaun ab. Der Schiedsrichter
hatte kein Verständnis für die Tierliebe und zeigte Banovic die Gelbe Karte wegen Verlassens
des Spielfelds. Trost bekam Banovic von der Tierschutzorganisation Peta. Sie kürte ihn zum
"Helden der Tiere".
So??!! Bitte nicht!


